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INTERNETSUCHT Prim. Dr. Hans Zimmerl, Facharzt für Psychiatrie und Neurologie & Dr. med. Beate Panosch Der Zweck dieser Studie
war es, die in Nordamerika behauptete Existenz der sog. "Internet
Addiction Disorder (IAD)" wissenschaftlich zu hinterfragen.
Die Art der Fragestellung geht konform mit bereits gebräuchlichen amerikanischen Check-Lists sowie ist sie eine Adaptierung der diagnostischen Kriterien der "Spielsucht" gemäß DSM III-R. Analog wurde ebenfalls das Zutreffen von zumindest 4 der obengenannten Kriterien zur Diagnosestellung verlangt. Nach diesem Maßstab ergibt sich das Indiz, dass 12.7% der Probanden ein suchtartiges Verhalten aufweisen, welches man als "Pathologischen Internet - Gebrauch (PIG)" bezeichnen könnte. Auffallend ist weiters, dass 30.8% der Subgruppe "PIG" rauschähnliche Erlebnisse bei intensivem Chatten bejahen. Hier kann ein biologischer Hintergrund im Bereich der Neurotransmitter und/oder des Endorphinhaushaltes vermutet werden - was weiter zu erforschen wäre. Zudem ist auffällig, dass 40.9 % der Subgruppe: "PIG" sich selbst als "süchtig" einstufen, was für Bereitschaft zur Selbstreflexion spricht und die Diagnostik eventuell erleichtern könnte. Alle angeführten Korrelationen sind statistisch hochsignifikant. Es sei nun an dieser Stelle ausdrücklich festgehalten, dass diese Studie nur Indizien liefern konnte - seriöse klinische (möglichst prospektive) Fallstudien mit ausreichendem Follow-up müssen nachfolgen, ehe man tatsächlich eine neue Form nicht-stoffgebundenen süchtigen Verhaltens als evident prävalent behaupten kann. Trotzdem sollte bis dahin jedenfalls nervenärztlicherseits "PIG" in der Diagnostik und gegebenenfalls Therapie als Angebot an Patienten aufgenommen werden, auch wenn die ätiologische Einordnung und der psychologische Überbau noch (wie allerdings bei vielen anderen Krankheiten auch!) klärungsbedürftig erscheinen. Als diagnostische Kriterien werden empfohlen:
Vorgeschlagene Diagnostische Einteilung:
plus einhergehende irreversible psychosoziale Folge-Schädigung (wie Jobverlust, Trennung von Partner/Familie, soziale Selbstisolierung, inadäquate Verschuldung durch exorbitante Telefonkosten) und allfällige somatische Schäden (Schädigung des Sehapparates, Schädigung der Wirbelsäule). Therapeutische Vorschläge sollen bewusst nicht antizipiert werden - dazu ist "PIG" noch zuwenig beforscht, bzw. wird die Diagnostik im Einzelfall die Indikation stellen. Wie bei substanzgebundenen Süchten könnte aber auch bei "PIG" die sog. "integrative Psychotherapie" ein Mittel der Wahl sein. Zum Stellenwert dieser Studie ist selbstkritisch anzumerken, dass sie lediglich dazu dienen kann, die Ärzteschaft auf eine neue Spielart nicht-stoffgebundenen süchtigen Verhaltens aufmerksam zu machen, dazu ein praktikables diagnostisches Inventar vorgeschlagen zu haben, sowie die Suchtforschung zu weiterer Befassung zu animieren.
Autor: Hans D. Zimmerl, MD. A-1120 Vienna, Schwenkgasse 4, AUSTRIA; E-Mail: hans.zimmerl@telecom.at Co-Autor: Beate Panosch, MD. A-6020 Innsbruck, AUSTRIA; E-Mail: beate.panosch@e-health.at
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